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2010-03-26

Fossiles Denken als Gottesbeweis - Allianz christlicher und muslimischer Kreationisten

clipped from de.qantara.de
Was christliche Evangelikale mit muslimischen Verfechtern des Kreationismus - wie etwa den türkischen Anti-Darwinisten Harun Yahia - verbindet, ist der gemeinsame Kampf gegen den Materialismus und die säkulare Ordnung des Staates.
Abbildung tasmanischer Beutelwolf in Adnan Oktars 'Atlas der Schöpfung'

"Darwin ist widerlegt. Seine Theorie von der Entstehung der Arten ist falsch. Millionen von Fossilien beweisen, dass sich weder die Tiere noch die Pflanzen seit ihrer Erschaffung durch Allah verändert haben." - Das ist die Quintessenz der Botschaft, die der türkische Anti-Darwinist Adnan Oktar in über 200 Büchern, Videos und auf Dutzenden von Webseiten verbreitet.

Unter dem Pseudonym Harun Yahya erschien 2006 der erste Band des "Atlas der Schöpfung"[...]

Das Ziel der Kreationisten, die im Moment die Speerspitze reaktionärer politischer Kräfte weltweit sind, sei vielmehr die Errichtung einer Theokratie.

[...] klare Parallelen zwischen allen Formen religiösen Fundamentalismus [...]

[...] gemeinsame[r] Kampf gegen den Materialismus und die säkulare Ordnung des Staates

2007-07-10

Das Weltkönigtum als Versuchung Jesu

1. Die Versuchung zum Weltkönigtum

Matthäus 4

8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht

9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.

10 Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.



Lukas 4

5 Da führte ihn der Teufel (auf einen Berg) hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde.

6 Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will.

7 Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören.

8 Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.




2. Die Macht Christi im Himmel und auf Erden



Matthäus 28

18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

19 Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,

20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Ratzinger: Zum Königtum Jesu



»Der Teufel führt den Herrn visionär auf einen hohen Berg. Er zeigt ihm alle Königreiche der Erde und deren Glanz und bietet ihm das Weltkönigtum an. Ist das nicht genau die Sendung des Messias? Soll er nicht der Weltkönig sein, der die ganze Erde in einem großen Reich des Friedens und des Wohlstands vereinigt?« [S. 67]

Jesu »Macht setzt das Kreuz voraus, setzt seinen Tod voraus. Sie setzt den anderen Berg voraus - Golgotha, wo er, von den Menschen verspottet und von den Seinigen verlassen, am Kreuz hängt und stirbt. Das Reich Christi ist anders als die Königreiche der Erde und ihr Glanz, den Satan vorführt. Dieser Glanz ist, wie das griechische Wort doxa besagt, Schein, der sich auflöst. Solchen Glanz hat Christi Reich nicht. Es wächst durch die Demut der Verkündigung in denen, die sich zu seinen Jüngern machen lassen, die getauft werden auf den dreifaltigen Gott und die seine Gebote halten (Mt 28,19f).« [S. 68]

Der wahre Gehalt der Versuchung »wird sichtbar, wenn wir sehen, wie sie die Geschichte hindurch immer neue Gestalt annimmt. Das christliche Kaisertum versuchte alsbald, den Glauben zum politischen Faktor der Reichseinheit zu machen. Das Reich Christi soll nun doch die Gestalt eines politischen Reiches und seines Glanzes erhalten. Der Ohnmacht des Glaubens, der irdischen Ohnmacht Jesu Christi soll durch politische und militärische Macht aufgeholfen werden. In allen Jahrhunderten ist in vielfältigen Formen diese Versuchung immer neu aufgestanden, den Glauben durch Macht sicherzustellen, und immer wieder drohte er gerade in den Umarmungen der Macht erstickt zu werden. Der Kampf um die Freiheit der Kirche, der Kampf darum, dass Jesu Reich mit keinem politischen Gebilde identisch sein kann, muss alle Jahrhunderte geführt werden. Denn der Preis für die Verschmelzung von Glauben und politischer Macht besteht zuletzt immer darin, dass der Glaube in den Dienst der Macht tritt und sich ihren Maßstäben beugen muss.« [S. 68f.]

Barabbas (Bar-Abbas: "Sohn des Vaters"), Origines zufolge in vielen Handschriften der Evangelien bis ins 3. Jahrhundert "Jesus Barabbas" genannt, war eine Art messianischer Doppelgänger zu Jesus, freilich mit einer ganz anderen Zielsetzung und Handlungsweise: nämlich der des politischen, gewalttätigen Aufstandes (Mk 15,7; Lk 23,19.25; Mt 27,16). Mit Jesus und Barabbas, beide messianische Gestalten, stehen "zwei Formen des Messianismus" einander gegenüber. Von Pilatus vor die Wahl gestellt, welcher von beiden freigegeben werden soll, entscheiden die Massen sich nicht für diesen "geheimnisvollen Jesus, der das Sich-Verlieren als Weg zum Leben verkündet", sondern für den "Messias, der den Kampf anführt, der Freiheit und das eigene Reich verspricht".« [S. 69f.]